Wahlanalyse zur Bürgerschaft 2015

Statistik informiert ... Nr. 18/2015

Die SPD erringt wieder einen sehr deutlichen Wahlsieg. Mit 45,7 Prozent der – für die Sitzverteilung in der Bürgerschaft relevanten – Landeslistenstimmen verbucht sie zwar einen Verlust von 2,7 Prozentpunkten gegenüber der letzten Bürgerschaftswahl, erreicht aber mit 29,8 Prozentpunkten den in der Nachkriegszeit größten Vorsprung vor der CDU.

Die CDU verliert 6,0 Prozentpunkte gegenüber der Bürgerschaftswahl 2011 und erzielt mit 15,9 Prozent der Landeslistenstimmen ihr historisch schlechtestes Ergebnis.

Zugewinne können sowohl die GRÜNEN (plus 1,1 Prozentpunkte), DIE LINKE (plus 2,1 Prozentpunkte) und die FDP (plus 0,7 Prozentpunkte) verbuchen, die damit weiterhin in der Bürgerschaft vertreten sind.

Erstmals kann auch die AfD in die hamburgische Bürgerschaft einziehen; sie holt aus dem Stand 6,1 Prozent der Stimmen.

Wahlbeteiligung/ungültige Stimmzettel
Die Wahlbeteiligung bei dieser Bürgerschaftswahl sinkt um 0,4 Prozentpunkte gegenüber 2011 auf 56,9 Prozent. Das ist, seit 2001, der vierte Rückgang in Folge und der niedrigste Wert seit 1949.

Der Anteil der ungültigen Stimmzettel liegt bei 3,0 Prozent und damit genauso hoch wie zur Einführung des neuen Wahlrechts zur Bürgerschaftswahl 2011.

Briefwahlbeteiligung
Der Briefwähleranteil ist gegenüber der Bürgerschaftswahl 2011 leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 17,6 Prozent der Wahlberechtigten gesunken. Gemessen an allen Wählerinnen und Wählern stieg der Anteil der Briefwähler dagegen leicht um 0,1 Prozentpunkte auf jetzt 30,9 Prozent. 

Mandatsverteilung in der Bürgerschaft
Mit insgesamt 58 gewonnenen Mandaten ist die SPD die mit deutlichem Abstand stärkste Kraft in der Bürgerschaft, verliert aber ihre bisherige absolute Mehrheit (minus vier Mandate).

Die CDU verliert gegenüber der Bürgerschaftswahl 2011 acht Sitze und stellt nur noch 20 Abgeordnete.

Die GRÜNEN erhalten 15 Mandate (plus eins), DIE LINKE erhält mit elf Mandaten drei Sitze mehr als zuvor, und die FDP stellt wie in der vorangegangenen Legislaturperiode neun Bürgerschaftsabgeordnete. Die kleinste Fraktion stellt mit acht Sitzen die erstmals vertretene AfD.

Listen- oder Personenstimmen?
Die Wählerinnen und Wähler machen in erheblichem Umfang von der Möglichkeit Gebrauch, einzelne Kandidatinnen und Kandidaten zu unterstützen. Insgesamt werden 53 Prozent aller Stimmen für die Landeslisten als Listenstimmen und 47 Prozent als Personenstimmen genutzt. Diese Verteilung hat sich gegenüber der Bürgerschaftswahl 2011 nicht verändert.

Die Wählerschaft der SPD verteilt am stärksten ihre Stimmen auf die Kandidaten: 57,8 Prozent der für die SPD abgegebenen Landesstimmen sind Personenstimmen. CDU und FDP liegen mit 44,5 bzw. 43,8 Prozent im Mittelfeld, während die „Listentreue“ bei der Wählerschaft der GRÜNEN und der Partei DIE LINKE mit 35,7 bzw. 37,8 Prozent Personenstimmen deutlich stärker ausgeprägt ist. Einen deutlich geringeren Anteil an Personenstimmen weist mit 27,7 Prozent die AfD auf, deren Wählerschaft sich damit am vergleichsweise stärksten an den Listen orientiert.

Wahlkreisergebnisse
Die SPD erringt bei der Bürgerschaftswahl 2015, wie bei der Wahl 2011, in allen 17 Wahlkreisen die meisten Wahlkreisstimmen. Im Vergleich zur letzten Bürgerschaftswahl hat sie allerdings in allen Wahlkreisen Verluste hinnehmen müssen.

Die CDU hat ebenfalls in allen Wahlkreisen Stimmenanteile eingebüßt. Mit 5,3 Prozentpunkten ist der Rückgang im Wahlkreis 2 (Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder) am höchsten.

Die GRÜNEN erreichen ihre besten Resultate mit 25,6 Prozent im Wahlkreis 3 (Altona) und mit 23,9 Prozent im Wahlkreis 5 (Rotherbaum-Harvestehude-Eimsbüttel-Ost). Hier sind sie – wie auch in den Wahlkreisen 1 (Hamburg-Mitte) und 6 (Stellingen-Eimsbüttel-West) – noch vor der CDU zweitstärkste Partei.

DIE LINKE gewinnt in allen Wahlkreisen Stimmen hinzu und kann in sechs Wahlkreisen über zehn Prozent der Wahlkreisstimmen für sich verbuchen. Wahlkreis 13 (Alstertal-Walddörfer) ist der einzige, in der DIE LINKE keine fünf Prozent erreicht. Hier beläuft sich der Stimmenanteil auf 4,2 Prozent.

Die FDP überspringt in zwölf der 17 Wahlkreise die Fünf-Prozent-Marke und erreicht ihren höchsten Stimmenanteil mit 13,7 Prozent im Wahlkreis 4 (Blankenese).

Den höchsten Stimmenanteil erhält die AfD im Wahlkreis 17 (Süderelbe) mit 9,3 Prozent, den geringsten in Wahlkreis 3 (Altona) mit 2,8 Prozent.

Stadtteilergebnisse
Mit 26,3 Prozent ist Billbrook der Stadtteil mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Demgegenüber gingen in Wohldorf-Ohlstedt mit 76,7 Prozent die anteilig meisten Wahlberechtigten wählen. Den höchsten Zuwachs bei der Wahlbeteiligung gab es mit 13,4 Prozentpunkten in Billwerder, den höchsten Rückgang in Hammerbrook (minus 6,1 Prozentpunkte).

Die extremsten Parteiergebnisse sind in Billbrook, Kleiner Grasbrook/Steinwerder, Nienstedten, Reitbrook, Spadenland, Sternschanze, Veddel und Waltershof/Finkenwerder zu finden.

Wahlverhalten in sozialstrukturell unterschiedlichen Stadtteilen
Eine vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung weisen jene Stadtteile auf, in denen die Bevölkerung selten SGB II-Leistungen („Hartz IV“) bezieht und/oder das durchschnittliche Einkommen hoch ist. Statusniedrige Wohngebiete mit relativ häufigem Hilfebezug und niedrigem Durchschnittseinkommen sind dagegen durch eine geringe Wahlbeteiligung gekennzeichnet.

Die SPD schneidet wie schon bei der Bürgerschaftswahl 2011 in Stadtteilen mit geringem sozialen Status besser ab als in sozialstrukturell privilegierteren Gegenden.

Demgegenüber erzielt die CDU in statushohen Stadtteilen – mit wenigen Unterstützten nach SGB II beziehungsweise hohem Durchschnittseinkommen – überdurchschnittliche Ergebnisse, während sie in statusniedrigen Wohngebieten deutlich weniger Zuspruch erhält. Ähnlich verhält es sich bei der FDP.

Besonders deutlich ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen der Sozialstruktur der Stadtteile und dem Wahlergebnis bei der Partei DIE LINKE. Ein relativ ausgewogenes Bild ergibt sich für die GRÜNEN. Bei der AfD ist der Stimmenanteil in statusniedrigen Gebieten wiederum höher als in „guten“ Wohnlagen.

Wahlverhalten in urbanen und ländlich geprägten Stadtteilen
Während die Wahlbeteiligung in den dünn besiedelten, ländlich geprägten Stadtteilen mit 64,4 Prozent recht hoch ist, liegt sie in den stark verdichteten, urbanen Stadtteilen mit 59,5 Prozent nur noch leicht über dem Hamburger Durchschnitt.

Die Wahlergebnisse der SPD sind in urbanen und ländlich geprägten Stadtteilen ähnlich hoch. Dabei schneiden die Sozialdemokraten in den dünn besiedelten Gebieten mit 46,8 Prozent etwas besser ab als in den innerstädtischen Gebieten (41,4 Prozent).

Die Ergebnisse der CDU sind in den ländlichen Stadtteilen mehr als doppelt so hoch wie in den städtischen Gebieten, und auch die FDP erzielt ihre besten Ergebnisse in den Stadtteilen mit ländlicher Struktur (7,9 Prozent). Ebenso findet die AfD mit 6,7 Prozent Stimmenanteil in dünner besiedelten Stadtteilen höhere Zustimmung als in städtischen Gebieten (4,1 Prozent).

Demgegenüber findet DIE LINKE in den dicht besiedelten Stadtteilen erhöhte Zustimmung. So liegt ihr Stimmenanteil dort mit 13,9 Prozent sogar deutlich über dem der CDU, in den ländlichen Stadtteilen jedoch nur bei 6,2 Prozent. Die GRÜNEN erzielen ebenfalls ihre besten Ergebnisse in den Stadtgebieten mit hoher Bevölkerungsdichte (18,2 Prozent), während ihr Stimmenanteil in den ländlichen Regionen mit 8,8 Prozent weniger als halb so hoch ist.

Hochburgen der Parteien
Besonders interessant sind die Verschiebungen in den Hochburgen der CDU, in denen sie 2011 einen Stimmenanteil von 35,2 Prozent erhielt. 2015 verliert sie dort überdurchschnittlich 10,5 Prozentpunkte.

Die SPD lag bei der Bürgerschaftswahl 2011 in ihren Hochburgen mit 56,6 Prozent deutlich vor der CDU (18,7 Prozent). 2015 fällt sie um 2,4 Prozentpunkte auf 54,2 Prozent, während die CDU hier mit minus 6,2 Prozentpunkten noch deutlichere Verluste hinnehmen muss.

In den GRÜNEN-Hochburgen von 2011 verliert insbesondere die SPD deutliche 9,2 Prozentpunkte der Stimmenanteile, hat hier aber immer noch mehr Stimmen als die GRÜNEN in ihren Hochburgen.

Die hier vorgestellten Ergebnisse und Befunde sind Teil der Wahlanalyse des Statistikamtes Nord. Die vollständige Wahlanalyse wird am 17. Februar ab Beginn der Landespressekonferenz im Internet unter http://www.statistik-nord.de/wahlen/wahlen-in-hamburg/ als Download zur Verfügung stehen.

Einzelne Druckexemplare der Wahlanalyse sind nach der Pressekonferenz erhältlich beim

Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
Steckelhörn 12, Zimmer 103
20457 Hamburg
Telefon:  040 42831-1766
Fax:  040 4273-11708
E-Mail:  info(at)statistik-nord(dot)de

Die weiteren Veröffentlichungen die Bürgerschaftswahl 2015 betreffend sind wie folgt vorgesehen:

  • Voraussichtlich im Mai 2015:
    Endgültige Ergebnisse der Bürgerschaftswahlen, repräsentative Wahlstatistik sowie Kumulier- und Panaschierverhalten
  • Voraussichtlich im Juli 2015:
    Berechnung und Zuteilung der Mandate

Tabellen: siehe PDF-Dokument 

Kontakt:
Dr. Jürgen Delitz
Telefon:  040 42831-1847
E-Mail:  Pressestelle(at)statistik-nord(dot)de 

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