Rund 31 Prozent aller Hamburgerinnen und Hamburger haben einen Migrationshintergrund

Statistik informiert ... SPEZIAL IX

Ende 2013 haben rund 550 000 Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg gelebt, das sind knapp 31 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner. Das geht aus einer Sonderauswertung des Melderegisters hervor, die das Statistikamt Nord jährlich durchführt und die eine Differenzierung der Ergebnisse nach Bezirken und Stadtteilen erlaubt.

Gegenüber 2009 stieg die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg um rund 62 000, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung erhöhte sich damit in diesem Zeitraum um drei Prozentpunkte.

Große regionale Unterschiede
Fast ein Viertel aller Hamburgerinnen und Hamburger mit Migrationshintergrund lebt in Hamburg-Mitte; ihr Anteil an der Bevölkerung dort liegt bei 46 Prozent. Ebenso wohnen in Harburg anteilig viele Menschen mit Migrationshintergrund (fast 40 Prozent). In den Bezirken Hamburg-Nord, Eimsbüttel und Wandsbek liegt die Quote dagegen mit rund 25 Prozent unter dem Durchschnitt und die Bezirke Altona und Bergedorf weisen in etwa den Wert für Hamburg auf.

Auch zwischen den Stadtteilen gibt es große Unterschiede (siehe Tabelle auf Seite 4 des PDF-Dokuments). Während in Billstedt, Wilhelmsburg und Rahlstedt die absolut meisten Personen mit Migrationshintergrund wohnen, finden sich die höchsten Anteile an der Bevölkerung mit über 70 Prozent in Billbrook und auf der Veddel sowie mit 62 Prozent in Neuallermöhe. Vergleichsweise wenige Personen mit Migrationshintergrund leben dagegen in den Stadtteilen der Vier- und Marschlande, wo sie deutlich weniger als zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen.

In den letzten fünf Jahren stieg der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Billbrook von 65 auf 71 Prozent an, auf der Veddel blieb er dagegen in diesem Zeitraum stabil bei 70 Prozent.

Verteilung innerhalb der Altersgruppen unterschiedlich
Generell ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in den jüngeren Altersgruppen höher als in den älteren. Knapp 47 Prozent der unter 18-jährigen Hamburgerinnen und Hamburger haben einen Migrationshintergrund, aber nur 16 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen über 65 Jahre. Allerdings ist dies regional unterschiedlich ausgeprägt. In Hamburg-Mitte haben mehr als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund, in Billbrook und auf der Veddel sogar über 90 Prozent (siehe Karte auf Seite 7 des PDF-Dokuments). Dagegen sind es in den Bezirken Eimsbüttel und Hamburg-Nord nur rund 37 Prozent.

Hohe Zuwachsraten an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gab es in Billstedt, wo sich der Anteil seit 2009 von 68 auf 72 Prozent erhöhte, sowie in Lurup, wo er in diesem Zeitraum von 57 auf 62 Prozent stieg.

Türkei und Polen häufigste Bezugsländer
Die in Hamburg lebenden Menschen mit Migrationshintergrund kommen aus fast allen Ländern der Welt. Die mit Abstand häufigsten Bezugsländer sind die Türkei und Polen mit 17 bzw. 13 Prozent. Die Anzahl der Menschen mit türkischen Wurzeln ist seit fünf Jahren konstant hoch bei rund 93 000. Besonders viele von ihnen wohnen in Hamburg-Mitte (fast zwölf Prozent der dortigen Gesamtbevölkerung). In Wilhelmsburg stammen über 11 000 Menschen aus der Türkei, was einem Anteil von fast 40 Prozent der dortigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund entspricht. Zentrum der aus Polen stammenden Bevölkerung ist der Bezirk Bergedorf; dort ist fast jede vierte Person mit Migrationshintergrund polnischer Herkunft. Ein Großteil der Menschen mit polnischen Wurzeln wohnt in den Stadtteilen Neuallermöhe und Lohbrügge (zusammen rund 6 600 Personen).

Der Bezirk Bergedorf ist außerdem eine Hochburg der russischstämmigen Bevölkerung in Hamburg: Elf Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner des Bezirkes bzw. jeder dritte Bergedorfer mit Migrationshintergrund hat als Bezugsland einen der 15 Staaten der ehemaligen Sowjetunion (insbesondere die Russische Föderation und Kasachstan). Die meisten von ihnen wohnen – wie die aus Polen stammende Bevölkerung – in Neuallermöhe und Lohbrügge (zusammen rund 10 600 Personen).

Weitere häufige Bezugsländer in Hamburg sind (in dieser Reihenfolge) Afghanistan, Iran, Portugal, Ghana, Serbien, Italien und Griechenland. Viele Menschen mit afghanischem Migrationshintergrund leben in Billstedt, Jenfeld, Rahlstedt und Neuallermöhe (zusammen rund 10 300 Menschen). Im Billstedt wohnt ein großer Anteil Personen mit Bezug zu Ghana und Serbien und in Rahlstedt leben viele Menschen mit iranischem Migrationshintergrund. Besonders viele Hamburgerinnen und Hamburger mit portugiesischem Migrationshintergrund (fast neun Prozent von ihnen) leben in Wilhelmsburg.

Verstärkt leben auch Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern der europäischen Union in Hamburg. Ihr Anteil ist in den Stadtteilen am höchsten, in denen insgesamt wenige Menschen mit Migrationshintergrund wohnen, wie beispielsweise in den Vier- und Marschlanden sowie in den Elbvororten (siehe Tabelle auf Seite 4 des PDF-Dokuments). Auf der Veddel, in Steilshoop und in Dulsberg stammt dagegen nur ein Fünftel der Bevölkerung mit Migrationshintergrund aus der EU.

Aufgrund von wirtschaftlichen und humanitären Krisen sind in Hamburg in den letzten Jahren auch andere Länder als Bezugsländer in den Fokus gerückt. So wurden im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen mit kosovarischem, bulgarischem, rumänischem, spanischem und ägyptischem Migrationshintergrund als 2009 ermittelt.

Methodische Anmerkungen:
Zu der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gehören die ausländische Bevölkerung sowie alle ab 1950 von außerhalb Deutschlands Zugewanderten unabhängig von ihrer Nationalität. Dazu zählen auch die in Deutschland geborenen eingebürgerten früheren Ausländerinnen und Ausländer sowie in Deutschland geborene Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit deutscher Staatsangehörigkeit, bei denen sich der Migrationshintergrund aus der Migrationserfahrung der Eltern oder eines Elternteils ableitet. Außerdem gehören zu dieser Gruppe seit 2000 auch die (deutschen) Kinder ausländischer Eltern, die die Bedingungen für das Optionsmodell erfüllen. Nicht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund zählen Flüchtlinge und Vertriebene in Folge des Zweiten Weltkriegs.

Bei den hier dargestellten Befunden zur Anzahl und Herkunft der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Hamburg handelt es sich nicht um statistische Ergebnisse im Sinne einer Erhebung, sondern um Schätzungen aufgrund eigener statistischer Berechnungen. Sie beruhen auf einem anonymisierten Melderegisterabzug vom 31.12.2013. Die lediglich bei ihrer Reederei gemeldeten Seeleute und Binnenschiffer wurden ebenso wie die am Nebenwohnsitz gemeldeten Personen nicht einbezogen.

Trotz einiger methodisch bedingter Einschränkungen ermöglicht das standardisierte Verfahren MigraPro – ein Gemeinschaftsprojekt des KOSIS-Verbunds im Rahmen der deutschen Städtestatistik – eine realitätsnahe Beschreibung der Anzahl und Bezugsländer der Bevölkerung mit Migrationshintergrund.

Tabellen und Karte: siehe PDF-Dokument

Kontakt:
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Fachliche Ansprechpartnerin:
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